Robertson im Geschiebemergel
Warum die Drucksondierung überkonsolidierten Geschiebemergel als Sand ausweist – und warum deshalb neben jeder Sondiergruppe eine Bohrung steht.
Steckbrief
- Zweck
- Den Bodenverhaltenstyp aus der Drucksondierung richtig einordnen, wo die Grundmoräne glazial vorbelastet ist.
- Eingangsdaten
- qc und fs je Zentimeter; Schichtenverzeichnis einer Schlüsselbohrung; Wasserstand für die wirksame Spannung.
- Ergebnis
- Robertson-Zone als Verhaltenstyp, nicht als Bodenart; ein Hinweis überall dort, wo Sondierung und Bohrung auseinandergehen.
- Grenzen der Methode
- Aus qc und fs allein ist Geschiebemergel nicht sicher von dichtem Sand zu trennen. Ohne u2-Messung gilt qt ≈ qc.
- Normbezug
- DIN EN ISO 22476-1, DIN EN ISO 14688-1, DIN 18196
01Befund an rund 5 300 Messpunkten im Geschiebelehm und -mergel
02Warum das so ist
Die Sondierung reagiert auf das mechanische Verhalten im Boden, nicht auf die Kornverteilung [1]. Sehr steife, stark überkonsolidierte feinkörnige Böden verhalten sich wie grobkörnige und dilatieren beim Abscheren [1]. Für sie führt das Diagramm die Zonen 8 und 9, „overconsolidated or cemented" [1]; die Ic-Kreise der Zonen 2 bis 7 erfassen sie nicht. Bei geringer Überlagerung hebt zudem die Normierung Qtn an. Auch IB [2] trennt nur teilweise: Der Mergel liegt dort, wo auch dichter, schluffiger Sand liegt.
03So werten wir aus
- Schlüsselbohrung je Standort: Sie sagt, was im Boden ist; die Sondierung liefert Tiefe, Veränderlichkeit und Festigkeit [3].
- Zone als Verhaltenstyp, nie als Bodenart; Ic und IB immer beide.
- Hausregel: Zone 6–7 mit qc über 30 MPa, wo die Bohrung Grundmoräne zeigt → Hinweis „Sand oder vorbelasteter Mergel – Abgleich mit der Bohrung“.
- Kennwerte im Gültigkeitsbereich: keine Lagerungsdichte im Mergel, cu dort als oberer Schätzwert.
Ic nach Robertson & Wride [4], IB und CD nach Robertson [2]; Qtn normierter Spitzenwiderstand, F normiertes Reibungsverhältnis [%]. Ohne u2-Messung gilt qt ≈ qc; σ′v0 = σv0, da bis Endteufe kein freies Grundwasser angetroffen wurde. Fünf Sondierungen endeten bei 34 bis 46 MPa vor der Solltiefe – möglicherweise an Steinen; belegt ist das nicht.
- Robertson, P. K. (2010) Soil behaviour type from the CPT: an update. 2nd Int. Symp. on Cone Penetration Testing (CPT’10), Huntington Beach; cpt-robertson.com, Abruf 24.09.2026
- Robertson, P. K. (2016) Cone penetration test (CPT)-based soil behaviour type (SBT) classification system – an update. Canadian Geotechnical Journal 53, 1910–1927
- GeoStudys Methodenblatt 01 (2026) Schichtgrenzen mit Vertrauensgrad · DIN EN ISO 22476-1:2023-04 · DIN EN ISO 14688-1:2020-11 · DIN 18196:2023-02
- Robertson, P. K.; Wride, C. E. (1998) Evaluating cyclic liquefaction potential using the cone penetration test. Canadian Geotechnical Journal 35(3), 442–459
ZITIERVORSCHLAG: GeoStudys Consulting (2026): Robertson im Geschiebemergel. GeoStudys Methodenblätter, Blatt M03. www.geostudys.com/fachbeitraege/robertson-im-geschiebemergel.html