Plausibilitätsprüfung im Schichtenverzeichnis
Warum jede Eingabe aus dem Feld geprüft wird, bevor daraus ein Protokoll, ein Schnitt oder eine Berechnung entsteht.
Steckbrief
- Zweck
- Fehler aus Feldaufnahme und Übertragung finden, bevor sie in Anlagen, Schnitte und Berechnungen weiterwandern.
- Eingangsdaten
- Eingabemappe je Projekt: Kopfdaten (Bohrdatum, Endteufe, Ansatzhöhe, Grundwasser), Schichtzeilen, Schlagzahlen der Rammsondierung.
- Ergebnis
- Je Aufschluss eine interne Prüfseite nach festen Regeln. Das Anlagenblatt geht erst nach Klärung an den Auftraggeber.
- Grenzen der Methode
- Die Prüfung findet Widersprüche, keine in sich stimmige Fehlansprache. Ob ein Schluff ein Schluff ist, entscheiden Ansprache im Feld und Labor.
- Normbezug
- DIN EN ISO 14688-1 und -2, DIN EN ISO 22475-1, DIN EN ISO 22476-2, DIN 18196, DIN 4023
01Drei Prüfebenen
| Ebene | Geprüft wird | Beispiel aus Bild 1 | Wie |
|---|---|---|---|
| formal | Schichtgrenzen monoton und lückenlos; Endteufe gleich Unterkante der letzten Schicht; Ende der Rammsondierung passend zur Endteufe; Bohrdatum plausibel; Ansatzhöhe vorhanden; Probennummern eindeutig | Bohrdatum 31.08.2006 statt 2026 | automatisch |
| bodenmechanisch | Konsistenz nur bei bindigen, Lagerungsdichte nur bei nichtbindigen Gruppen; bei SU*, ST*, GU*, GT* entscheidet die Feldansprache; Bodengruppe nach DIN 18196 gültig; Hausregel: Oberboden OH meist locker, Abweichung als Hinweis | „locker" bei Schluff UL | automatisch |
| gegen Geodaten | Geschiebemergel „kalkfrei" → Entkalkungszone prüfen; Ansatzhöhen gegen DGM1; Bohrung gegen geologische Karte | Ansatzhöhen im Rahmen der DGM1-Genauigkeit (≤ ±0,3 m) | teils automatisch, teils im Bearbeitungsgang |
zE Endteufe laut Kopfdaten · zn Unterkante der letzten Schicht · zDPH Ende der Rammsondierung. Toleranzen sind Hausregeln der Prüfung, keine Normwerte; wer sie überschreitet, erhält einen Hinweis, keine stille Korrektur.
02Was die Prüfung gefunden hat
- Bohrdatum 2006: in keiner Zeichnung zu sehen – jedes Protokoll hätte ein falsches Datum getragen.
- Bohrung 12 m, Sondierung 8 m: zwei Aufschlüsse waren tiefer ausgeführt als geplant. Ohne den Hinweis wäre die Mehrleistung unbemerkt geblieben.
- Schichtzeile bei 2,80 m unter einer 6-m-Bohrung: ein Übertragungsrest, der die Schichtfolge umgekehrt hätte.
- Endteufe 4,0 m, Schichten bis 6,0 m: Kopfdaten und Aufnahme widersprechen sich; geklärt wird im Feldprotokoll, nicht am Schreibtisch.
03Wo die Prüfung sitzt
Die Prüfseite entsteht mit jedem Anlagenblatt als zweite Seite und fällt erst bei der Auslieferung weg. Die Eingabemappe nimmt nur echte Datumswerte an; beim Sperren werden Formeln durch Werte ersetzt, damit keine Verknüpfung auf eine fremde Mappe stehen bleibt.
Erst geprüfte Schichtenverzeichnisse gehen in den Baugrundschnitt mit Vertrauensgrad [3] und in die Berechnungen.
- DIN EN ISO 14688-1 und -2:2020-11 Benennung, Beschreibung und Klassifizierung von Boden · DIN 18196:2023-02 Bodenklassifikation für bautechnische Zwecke
- DIN EN ISO 22475-1:2022-02 Probenentnahme · DIN EN ISO 22476-2:2012-03 Rammsondierungen · DIN 4023:2023-02 Zeichnerische Darstellung der Ergebnisse von Bohrungen
- GeoStudys Methodenblatt 01 (2026) Schichtgrenzen mit Vertrauensgrad
ZITIERVORSCHLAG: GeoStudys Consulting (2026): Plausibilitätsprüfung im Schichtenverzeichnis. GeoStudys Methodenblätter, Blatt M02. www.geostudys.com/fachbeitraege/plausibilitaetspruefung-schichtenverzeichnis.html