Schichtgrenzen mit Vertrauensgrad
Wie aus einer Bohrung und mehreren Drucksondierungen ein Baugrundschnitt entsteht – und wie das Blatt zeigt, welche Grenze belegt und welche übernommen ist.
Steckbrief
- Zweck
- Baugrundschnitt je Standort, z. B. unter dem Fundament einer Windenergieanlage.
- Eingangsdaten
- Schichtenverzeichnis einer Schlüsselbohrung (Bodenart, Bodengruppe, Genese, Kalkgehalt); CPT-Rohdaten qc, fs; Ansatzhöhen mit Quelle und Genauigkeit.
- Ergebnis
- Ein Blatt A4 quer je Standort: Schnitt mit wahren Abständen, Vertrauensgrad je Grenze, Legende, Lageplan.
- Rechenweg
- Reproduzierbar: gleiche Eingangsdaten, gleiche Grenzen. Schwellenwerte (eigene, nicht genormt) stehen im Blatt.
- Grenzen der Methode
- Ohne Unterschied in Festigkeit oder Materialverhalten bleibt eine Grenze in der Sondierung unsichtbar. Unterhalb der Bohrung ist die Bodenart nicht belegt, nur die Lage einer Grenze.
- Normbezug
- DIN EN ISO 22476-1, DIN EN ISO 14688-1, DIN 18196, DIN EN 1997-2, DIN 4020
01Verfahren
- Soll-Grenzen aus der Bohrung. Das Schichtenverzeichnis liefert Tiefe und Inhalt jeder Grenze.
- Kontrast je Sondierung. Sprunghöhe von log qc und modifiziertem SBT-Index IB über ein Fenster von 0,50 m, Gl. (1).
- Zuordnen. Suchfenster ±0,25·z (0,30 bis 1,50 m); angenommen ab dem 1,8-fachen Median, von oben nach unten und monoton.
- Vertrauensgrad setzen nach Tabelle 1 und im Schnitt als Linienart zeichnen.
- Unterhalb der Bohrung nur Maxima über dem 2,5-fachen Median, Abstand ≥ 1,0 m, als kurze Marke ohne Korrelation.
- Abnahme. Jede Bohrgrenze sichtbar, Höhen mit Quelle, Überhöhung angegeben, ein Blatt je Standort.
⟨ ⟩o, ⟨ ⟩u Mittel über 0,50 m ober- und unterhalb z · Qtn normierter Spitzenwiderstand · F normiertes Reibungsverhältnis [%] · IB modifizierter SBT-Index [4], tonartig unter 22, sandartig über 32 · Gewichtung 1/40 und Schwellen 1,8 und 2,5 sind eigene Verfahrensparameter. IB ergänzt log qc, wo sich das Materialverhalten ändert, die Festigkeit kaum. Unter CPT 1 trennt schon qc (Sand 5–10 MPa, Geschiebemergel 25,5 MPa); IB stuft den Mergel sandartig ein (rd. 85) – die Bodenart klärt nur die Bohrung.
02Vertrauensgrad
| Stufe | Bedingung | Linie | Beispiel |
|---|---|---|---|
| hoch | in allen Sondierungen erkannt | 1,0 · 7,0 · 9,5 m | |
| mittel | teilweise erkannt, sonst aus der Bohrung | 0,4 · 4,5 m | |
| gering | in keiner erkannt | – |
Tabelle 1. Stufen und Ergebnis am Standort aus Bild 1; Tiefen der Bohrgrenzen.
03Was die Prüfung meldet
- Karte gegen Bohrung: Karte Grundmoräne, Bohrung bis 7,0 m Schmelzwassersand – als Abweichung benannt.
- Grenze ohne Kontrast: 4,5 m erreicht in CPT 3 nur das 0,9-fache des Medians. Sie bleibt als Bohrgrenze sichtbar.
- Gründungssohle: ohne belegte Höhe der Arbeitsebene nicht gezeichnet.
- Höhen: aus dem Geländemodell, ±0,15 m, als nicht eingemessen gekennzeichnet.
- DIN EN ISO 22476-1:2023-04 Felduntersuchungen – Teil 1: Drucksondierungen mit elektrischen Messwertaufnehmern
- DIN EN ISO 14688-1:2020-11 Benennung und Beschreibung von Boden · DIN 18196:2023-02 Bodenklassifikation für bautechnische Zwecke
- DIN EN 1997-2:2010-10 Eurocode 7 – Erkundung und Untersuchung des Baugrunds · DIN 4020:2010-12 Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke
- Robertson, P. K. (2016) Cone penetration test (CPT)-based soil behaviour type (SBT) classification system – an update. Canadian Geotechnical Journal 53, 1910–1927. doi:10.1139/cgj-2016-0044, Abruf 24.09.2026
ZITIERVORSCHLAG: GeoStudys Consulting (2026): Schichtgrenzen mit Vertrauensgrad. GeoStudys Methodenblätter, Blatt M01. www.geostudys.com/fachbeitraege/schichtgrenzen-mit-vertrauensgrad.html