Erkundungstiefe bei HDD-Querungen
Warum die Aufschlusstiefe aus der Bohrachse folgt – und die Bohrachse aus dem Baugrund
Bei Horizontalspülbohrungen wird die Aufschlusstiefe oft festgelegt, bevor die Bohrachse geplant ist – unter Gewässern liegt die Achse dann tiefer. Der Beitrag leitet die Erkundungstiefe aus DIN EN 1997-2, Anhang B.3, und der Praxis ab und zeigt an einer Seequerung in Brandenburg, wie ein Querungsblatt die Lücke sichtbar macht.
SCHLAGWÖRTER · Horizontalspülbohrung · Erkundungstiefe · DIN EN 1997-2 · DIN 18324 · Querungsblatt
1Ausgangslage
Kabeltrassen werden meist mit einheitlicher Endteufe erkundet; die Bohrachse folgt erst später aus Überdeckung, Biegeradius und Gerät. Liegt sie unter der Aufschlusssohle, wird im nicht erkundeten Baugrund gebohrt: Kies, Steine oder Mudde bleiben unentdeckt, die Homogenbereiche nach DIN 18324 [3], [4] sind nicht belegt.
2Normative Grundlage und Praxis
DIN EN 1997-2 [1] mit DIN 4020 [2] nennt die Spülbohrung nicht ausdrücklich. Am nächsten kommen Anhang B.3 (8) für Leitungen und Gräben – mindestens 2,0 m unter der Sohle – und B.3 (9) für kleine Tunnel mit der ein- bis zweifachen Ausbruchbreite. Bei Aufweitdurchmessern DB unter 1 m bestimmt Absatz (8). Sohle ist die Unterkante des aufgeweiteten Bohrkanals:
tE Erkundungstiefe unter Gelände · hA Tiefe der maßgebenden (tiefsten) Achslage unter dem Ansatzpunkt · ΔzE Reserve unter dem Bohrkanal
Die Praxis empfiehlt 2 bis 5 m unter der geplanten Bohrung [5], eine US-Fachempfehlung mindestens 15 ft, rd. 4,6 m [6]. Die 2,0 m gelten nur für eine festgelegte Achse; ist sie veränderlich, halten wir 3 bis 5 m für angemessen.
3Die Achse ist keine Konstante
Nach oben begrenzt die Überdeckung die Achse. Sie wird von der Straßen-, Bahn- oder Gewässerverwaltung festgesetzt; als Faustregel gilt das 10- bis 15-Fache des Bohrlochdurchmessers [5]. Nach unten begrenzen Bohrlänge, Radius und Gerät – und bei abgeteuften Aufschlüssen Gl. (1). Dazwischen liegt die Anlaufgeometrie:
Mit R = 300 m und α = 12° sind das L ≈ 62 m und Δz ≈ 6,6 m. Uferaufschlüsse stehen meist an Ein- und Austritt, wo die Achse noch flach liegt; ihre tiefste Lage erreicht sie erst unter dem Hindernis.

4Beispiel Seequerung
Eine Erdkabeltrasse quert einen See; die Wasserfläche ist auf der Achse rd. 230 m breit, die Bohrung rd. 500 m lang (Bild 1). An Ein- und Austritt reichen die Rammkernsondierungen 8 m tief. Die gerade Achse liegt rd. 8,5 m unter ihrem Ansatzpunkt; mit DB = 0,35 m folgt aus Gl. (1):
Die Aufschlüsse enden über dem Niveau der Achse; unter dem See fehlt jeder Aufschluss. Die angesetzten 2,5 m Überdeckung liegen zudem unter der Faustregel (3,5 bis 5,3 m); die Achse kann noch tiefer rücken. Empfohlen: Uferaufschlüsse auf ≥ 12 m vertiefen, Seesohle peilen, dann die Achse festlegen.
| Abschnitt | Maßgebend | Mindesttiefe |
|---|---|---|
| Bohrkanal, gerade | B.3 (8), (9) | Gl. (1) |
| Ein- und Austritt | Achstiefe je Station | Gl. (1) stationsweise |
| Unter Gewässern | Peilung, Auflage | Gl. (1), tiefste Achse |
5Empfehlungen
- Vorläufige Achse vor der Erkundung festlegen, Rinnen und Senken aus dem Geländemodell erkennen, Tiefe je Aufschluss nach Gl. (1).
- Aufschlüsse höchstens rd. 5 m neben der Achse anordnen und dicht verfüllen (Tonpellets, Dämmer) – sonst Austrittsweg für die Spülung [5].
- Baugrund unter den Aufschlüssen als „nicht erkundet“ ausweisen.
- DIN EN 1997-2:2010-10 mit NA:2010-12 – Erkundung des Baugrunds
- DIN 4020:2010-12 Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke
- DIN 18324:2019-09 VOB/C – Horizontalspülbohrarbeiten
- DVGW GW 321 (A):2003-10, Korr. 2009-01 – Horizontale Spülbohrverfahren (für Kabel sinngemäß)
- Bunger, S. (o. J.) Anforderung an Planung und Ausführung einer horizontalen Spülbohrung. Max Wild
- Wallin, M.; Neher, M.; Wallin, K. (2025) Geotechnical Considerations for HDD. Trenchless Technology, 12/2025
ZITIERVORSCHLAG: GeoStudys Consulting (2026): Erkundungstiefe bei HDD-Querungen. GeoStudys Fachbeiträge, Heft 1, Beitrag 01. www.geostudys.com/fachbeitraege/erkundungstiefe-hdd-querung.html