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HEFT 1 · SEPTEMBER 2026 · GEOTECHNIK
Fachbeitrag 01Grabenlose Leitungsverlegung · Baugrunderkundung

Erkundungstiefe bei HDD-Querungen

Warum die Aufschlusstiefe aus der Bohrachse folgt – und die Bohrachse aus dem Baugrund

PDF herunterladen A4 · 1 SEITELESEZEIT RD. 4 MINUTEN · STAND 25.09.2026
Kurzfassung

Bei Horizontalspülbohrungen wird die Aufschlusstiefe oft festgelegt, bevor die Bohrachse geplant ist – unter Gewässern liegt die Achse dann tiefer. Der Beitrag leitet die Erkundungstiefe aus DIN EN 1997-2, Anhang B.3, und der Praxis ab und zeigt an einer Seequerung in Brandenburg, wie ein Querungsblatt die Lücke sichtbar macht.

SCHLAGWÖRTER · Horizontalspülbohrung · Erkundungstiefe · DIN EN 1997-2 · DIN 18324 · Querungsblatt

1Ausgangslage

Kabeltrassen werden meist mit einheitlicher Endteufe erkundet; die Bohrachse folgt erst später aus Überdeckung, Biegeradius und Gerät. Liegt sie unter der Aufschlusssohle, wird im nicht erkundeten Baugrund gebohrt: Kies, Steine oder Mudde bleiben unentdeckt, die Homogenbereiche nach DIN 18324 [3], [4] sind nicht belegt.

2Normative Grundlage und Praxis

DIN EN 1997-2 [1] mit DIN 4020 [2] nennt die Spülbohrung nicht ausdrücklich. Am nächsten kommen Anhang B.3 (8) für Leitungen und Gräben – mindestens 2,0 m unter der Sohle – und B.3 (9) für kleine Tunnel mit der ein- bis zweifachen Ausbruchbreite. Bei Aufweitdurchmessern DB unter 1 m bestimmt Absatz (8). Sohle ist die Unterkante des aufgeweiteten Bohrkanals:

tE ≥ hA + DB/2 + ΔzE,   ΔzE ≥ 2,0 m(1)

tE Erkundungstiefe unter Gelände · hA Tiefe der maßgebenden (tiefsten) Achslage unter dem Ansatzpunkt · ΔzE Reserve unter dem Bohrkanal

Die Praxis empfiehlt 2 bis 5 m unter der geplanten Bohrung [5], eine US-Fachempfehlung mindestens 15 ft, rd. 4,6 m [6]. Die 2,0 m gelten nur für eine festgelegte Achse; ist sie veränderlich, halten wir 3 bis 5 m für angemessen.

3Die Achse ist keine Konstante

Nach oben begrenzt die Überdeckung die Achse. Sie wird von der Straßen-, Bahn- oder Gewässerverwaltung festgesetzt; als Faustregel gilt das 10- bis 15-Fache des Bohrlochdurchmessers [5]. Nach unten begrenzen Bohrlänge, Radius und Gerät – und bei abgeteuften Aufschlüssen Gl. (1). Dazwischen liegt die Anlaufgeometrie:

L = R·sin αΔz = R·(1 − cos α)(2)

Mit R = 300 m und α = 12° sind das L ≈ 62 m und Δz ≈ 6,6 m. Uferaufschlüsse stehen meist an Ein- und Austritt, wo die Achse noch flach liegt; ihre tiefste Lage erreicht sie erst unter dem Hindernis.

Längsschnitt einer Seequerung im HDD-Verfahren — anonymisiert
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Bild 1. Querungsblatt einer Seequerung in Brandenburg, Längsschnitt mit Baugrundmodell (Ausschnitt, anonymisiert, 8-fach überhöht). Uferaufschlüsse an Ein- und Austritt 8 m tief, gerade Achse auf 59,83 m NHN, rd. 8,5 m unter deren Ansatzpunkt; Seesohle und Überdeckung (2,5 m) angenommen. Unter den Aufschlüssen ist der Baugrund als „nicht erkundet“ ausgewiesen.

4Beispiel Seequerung

Eine Erdkabeltrasse quert einen See; die Wasserfläche ist auf der Achse rd. 230 m breit, die Bohrung rd. 500 m lang (Bild 1). An Ein- und Austritt reichen die Rammkernsondierungen 8 m tief. Die gerade Achse liegt rd. 8,5 m unter ihrem Ansatzpunkt; mit DB = 0,35 m folgt aus Gl. (1):

tE ≥ 8,5 + 0,2 + 2,0 ≈ 10,7 m  ·  vorhanden 8,0 m(3)

Die Aufschlüsse enden über dem Niveau der Achse; unter dem See fehlt jeder Aufschluss. Die angesetzten 2,5 m Überdeckung liegen zudem unter der Faustregel (3,5 bis 5,3 m); die Achse kann noch tiefer rücken. Empfohlen: Uferaufschlüsse auf ≥ 12 m vertiefen, Seesohle peilen, dann die Achse festlegen.

Tabelle 1. Maßgebende Erkundungstiefe je Abschnitt
AbschnittMaßgebendMindesttiefe
Bohrkanal, geradeB.3 (8), (9)Gl. (1)
Ein- und AustrittAchstiefe je StationGl. (1) stationsweise
Unter GewässernPeilung, AuflageGl. (1), tiefste Achse

5Empfehlungen

  • Vorläufige Achse vor der Erkundung festlegen, Rinnen und Senken aus dem Geländemodell erkennen, Tiefe je Aufschluss nach Gl. (1).
  • Aufschlüsse höchstens rd. 5 m neben der Achse anordnen und dicht verfüllen (Tonpellets, Dämmer) – sonst Austrittsweg für die Spülung [5].
  • Baugrund unter den Aufschlüssen als „nicht erkundet“ ausweisen.
Normen und Literatur
  1. DIN EN 1997-2:2010-10 mit NA:2010-12 – Erkundung des Baugrunds
  2. DIN 4020:2010-12 Geotechnische Untersuchungen für bautechnische Zwecke
  3. DIN 18324:2019-09 VOB/C – Horizontalspülbohrarbeiten
  4. DVGW GW 321 (A):2003-10, Korr. 2009-01 – Horizontale Spülbohrverfahren (für Kabel sinngemäß)
  5. Bunger, S. (o. J.) Anforderung an Planung und Ausführung einer horizontalen Spülbohrung. Max Wild
  6. Wallin, M.; Neher, M.; Wallin, K. (2025) Geotechnical Considerations for HDD. Trenchless Technology, 12/2025
GEOSTUDYS FACHBEITRÄGE · HEFT 1 · 2026 · BEITRAG 01WWW.GEOSTUDYS.COM

ZITIERVORSCHLAG: GeoStudys Consulting (2026): Erkundungstiefe bei HDD-Querungen. GeoStudys Fachbeiträge, Heft 1, Beitrag 01. www.geostudys.com/fachbeitraege/erkundungstiefe-hdd-querung.html